Kino.to am Ende? Internationale Razzien und Festnahmen von Kino.to & Hoster Betreibern

Der Kauf eines Films - eine Frechheit?

Wer auf die Seite Kino.to geht, über die wir bereits mehrfach in Zusammenhang vom Streaming auf iPad & Co gesprochen haben, bekommt seit heute folgende Meldung:

Die Kriminalpolizei weist auf Folgendes hin:

Die Domain zur von Ihnen ausgewählten Webseite wurde wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung zur gewerbsmäßigen Begehung von Urheberrechtsverletzungen geschlossen.

Mehrere Betreiber von KINO.TO wurden festgenommen.

Internetnutzer, die widerrechtlich Raubkopien von Filmwerken hergestellt oder vertrieben haben, müssen mit einer strafrechtlichen Verfolgung rechnen.

Das ganze ist mit einem gewaltigen Medienecho von beispielsweise Zeit, Süddeutsche Zeitung, Focus und der Fachpresse wie Heise, Golem und Chip aufgenommen worden, jedoch ist weder auf den Seiten des dort oft genannten BKA Sachsen und der sonstigen Einsatzkräften sowie von der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) eine entsprechende Pressemeldung zu finden. Bei der GVU dürfte das mit den zurzeit anherschenden DDoS-Angriffen zusammenliegen, die die Server lahmlegen, der Grund für das Ausbleiben von polizeilicher Seite ist jedoch verwunderlich.

 

Nach bisherigen Berichten sollen bei den Razzien in Deutschland, Spanien, Frankreich und den Niederlanden 13 Menschen verhaftet worden sein, eine weitere Person ist noch bislang nicht gefasst worden. Die Besitzer von Kino.to waren jahrelang nahezu unbehelligt davon gekommen, da sie sich geschickt angestellt hatten und die Server von Kino.to in Russland, die Domain in Tonga registriert, wodurch den Behörden keine Daten zugänglich gemacht wurden. Nachdem GVU und Ermittlungsbehörden jedoch lange Zeit im Dunklen getappt haben, soll nun der Durchbruch mit der Verbindung von den Hostern der Filme, die teilweise in Deutschland und Frankreich standen, und den Betreibern von Kino.to gekommen sein, da nach Aussagen von GVU eben die Besitzer von Kino.to auch selber teilweise Hoster aufgebaut und diese durch eine starke Positionierung in den Rankings der Hosterauswahl gepusht haben.

Dennoch sieht gerade eben diese Aussage auf der Website und das bisherige Fehlen von Informationen von offizieller Seite fast schon nach einem Hacker-Angriff ähnlich typischer Defacings beispielsweise von den Sony-Servern im Rahmen der Misere des Playstation Networks.

Das ganze System Kino.to + Streamdienste soll Einnahmen im Millionenbereich eingebracht haben, also mehr als profitabel für die Betreiber der Seite, die eine der meistbesuchten Seiten Deutschlands und auch Weltweit mit Millionen Besuchern jeden Monat ist (an Youtube oder bekannte Porno-Streaming-Seiten kommt kino.to laut Alexa jedoch nicht an – es heißt ja nicht umsonst “The Internet is for porn” bzw. “Sex Sells”). Damit ist das ganze natürlich den Rechteinhabern ein dicker Dorn im Auge, doch gleichzeitig zeigt die Situation wie stark die Nachfrage nach einer einfachen und vor allem immer verfügbaren (gratis) Methode um sich Filme anzusehen, die für die Betreiber mehr als profitabel als rein werbefinaziertes Angebot ist.

Gleichzeitig dürfte für viele Nutzer auch mehr als deutlich das Gehabe der Filmindustrie übel aufstoßen, die mit ihren Werbungen, Restriktionen und sonstigen Frechheiten den Spaß am DVD-Schauen (die Qualität der Streams ist meist nicht mal ansatzweise mit einer DVD vergleichbar, aber dennoch ist die Nachfrage ungemein hoch) nehmen. Denn wer will wirklich sich die Werbung und sonstige nicht überspringbare Inhalte ansehen, wenn der gekaufte Film das eigentlich Ziel ist und im Gegensatz die Version aus dem Netz komplett frei von solchen Zumutungen klein und handlich auf nahezu jedem Gerät überall hingenommen werden kann?

Eben aus diesem Grund werden zwar die GVU und wahrscheinlich auch andere Urheberrechtsgruppen diese Aktion als Sieg darstellen, doch in Wirklichkeit stellt das ganze nichts anderes als ein Kampf gegen Windmühlen dar, der überhaupt erst geführt wird, weil die Industrie schlichtweg das Potential des Internets verschlafen hat und auch sonst eher konservativ an das Thema herangeht und durch nicht wirkende Restriktionen und Lobbyismus die ehrlichen Nutzer vergewaltigt und eben die Filmpiraten nur bestätigt. So gesehen ist es nicht verwunderlich, wenn wir bald eine neue Seite mit eben gleichen profitablen Konzept sehen, da die Einführung einer Seite wie Hulu.com für Filme, die auch außerhalb von den USA zur Verfügung steht, weiter auf sich warten lassen wird.

Video: Christian Solmecke – Kino.to-Stream legal (April 2011) (3:42)

Für alle, die sich Filme über einen der Hoster über Kino.to angesehen haben, soll jedoch keine Gefahr bestehen ins Visier der Behörden zu kommen. Das Streamen ist nach Aussage von einigen Rechtsanwälten überdies eh nicht in Deutschland strafbar, in anderen Ländern wie der Schweiz ist dies auch richtig in Gesetzform festgehalten. Es ist zwar nicht klar, ob Kino.to IP-Adressen mitgeloggt hat, die zur Ermittlung ausgelesen werden könnten, diese könnten aber eh nicht effektiv zur Verfolgung benutzt werden, da ein Besuchen von Kino.to weder mit dem Sehen eines Films oder Serie noch mit dem strafbaren Upload eines urheberrechtlich geschützten Videos gleichzusetzen ist.

Pascal Heidmann
ist seit 2010 bei Appexam als Autor tätig. Als bekennender Technikfan ist er immer auf der Suche nach neuen Spielzeugen und offen für unabhängige Tests. Auch zu finden auf Google+

2 Kommentare zu “Kino.to am Ende? Internationale Razzien und Festnahmen von Kino.to & Hoster Betreibern”

  1. [...] regelmäßig ins Kino gegangen ist, herrschen heute Streamingangebote wie das mittlerweile zwar geschlossene, aber nichts desto trotz sehr erfolgreiche Kino.to. Die Kommunikation per Telefon oder echtes [...]

  2. [...] vor rund 33 Tagen das Streaming-Portal kino.to von der GVU und der Staatsanwaltschaft Dresden vom Netz genommen und die Betreiber festgenommen [...]

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