Aus für HPs iPad-Killer “TouchPad”

WebOS stirbt - oder wird es recycelt?

Der weltweit größte Computerhersteller hat große Umstrukturierungen angekündigt. Dabei soll das Kerngeschäft, die Produktion und der Verkauf von Computern, nur noch zur Nebensache verkommen und wahrscheinlich in eine extra Tochterfirma ausgelagert werden. Bei HP lässt man es offen, ob man sich womöglich komplett von der PC Sparte trennt und diese an eine andere Firma verkauft.

Radikaler geht es noch für das TouchPad mit WebOS aus, welches erst vor 6 Wochen bei seiner Veröffentlichung als iPad-Killer gefeiert wurde: HP stellt nach erfolgloser Reduzierung des Preises das Tablet komplett ein, und damit auch die etwas erfolgreicheren Smartphones auf WebOS-Basis. Dies ist hinsichtlich der Aussage vom Chef von WebOS (und vorher von Palm und davor bis 2006 der iPod-Sparte) Jon Rubinstein besonders pikant, der im Interview auf Qualcomms Mobilfunkkonferenz Uplinq noch gesagt hatte, dass HP davon ausgeht, dass sich 3 Smartphone-Systeme durchsetzen. Aktuell sieht es in der Tat so aus, nur WebOS ist wohl kein Mitspieler mehr in diesem Spiel und Android und iOS werden sich mit Windows Phone und RIMs Blackberry OS/QNX austoben. Ganz aussterben soll WebOS nicht, denn HP möchte das Betriebssystem an andere interessierte Firmen weiter verkaufen.

HP wird sich nach dem Vorbild IBM – ebenfalls lange Zeit einer der größten Hardwarehersteller und nun weltweit zweitgrößter Softwarehersteller – mehr auf Services wie Cloud Computing Lösungen spezialisieren. Die Börse hat jedoch mit Panik reagiert, sodass die Aktie 10% verlor, und das Wirtschaftsmagazin “Forbes” kommentierte die Neuigkeiten in einem Blog-Eintrag mit den Worten “Hewlett-Packard jagt das Haus in die Luft”. Mit einem Umsatz von 128 Mrd. US-$ im letzten Geschäftsjahr hat man zwar eine gewaltige Menge umgesetzt, jedoch sind die Margen bei Computern immer geringer geworden und ein Wachstum in dem Markt nur sehr geringfügig für HP merkbar, weshalb man sich auf den profitableren Geschäftszweig der Services konzentrieren will.

Für HP könnte die Übernahme von Palm und dem WebOS für 1,2 Mrd. jedoch immer noch profitabel ausgehen, denn mit beim Deal waren auch rund 1500 Patente, die bei aktuell tobenden Patentkämpfe im mobilen Markt zwischen Google, Apple, Microsoft und den Herstellern von Android-Geräten geradezu günstig sind. In der Versteigerung von den Patente von Mobilfunkexperte Nortel hatte ein Konsortium um Apple und Microsoft am Ende rund 6000 Patente für 4,5 Mrd. $ gekauft und Google hat Anfang der Woche Android-Hersteller Motorola die Handysparte und dazu 17.000 Patente für die gewaltige Summe von 12,5 Mrd. abgekauft (mehr als Google und Microsoft bisher bereit waren für eine Firma auszugeben; Microsofts teuerste Übernahme war der Aufkauf von Skype dieses Jahr für 8 Mrd. $). Des weiteren eröffnet gerade diese Übernahme für HP die praktische Möglichkeit den Android-Herstellern nun das WebOS als Androidersatz zu verkaufen, bei dem sie nicht gegen den Entwickler des Betriebssystems konkurrieren müssen. Die Lizenzierung an andere ist auch für HP deutlich günstiger als auch noch die Hardware herzustellen und ganz alleine die Plattform zu etablieren.

Pascal
ist seit 2010 bei Appexam als Autor tätig. Als bekennender Technikfan ist er immer auf der Suche nach neuen Spielzeugen und offen für unabhängige Tests. Auch zu finden auf Google+

Ein Kommentar zu “Aus für HPs iPad-Killer “TouchPad””

  1. [...] vergangen. Insgesamt 37 Geräte werden offiziell unterstützt, darunter auch beispielsweise das HP Touchpad, welches im Verkauf gar kein Android sondern WebOS als Betriebssystem vorinstalliert hat. Daneben [...]

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