Sieg und Niederlage für Android vorm Gericht

Seit einiger Zeit ist Google für sein mobiles Betriebssystem Android mittlerweile auch selber in der Schussbahn der klagfreudigen Konkurrenz.

motorola_androidMicrosoft vs Motorola

Einer der größten Gewinner von Androids Erfolg (neben Herstellern wie Samsung oder HTC) ist Microsoft, für die sich das Konkurrenzprodukt zum eigenen bislang irrelevanten Windows Phone zur wahren Goldgrube entwickelt. Die Redmonder haben mittels Patentklagen nahezu alle großen Hersteller zu Lizenzzahlungen bewegt, die sich mit den Lizenzkosten für Windows Phone messen können und nach Schätzungen rund 10-15$ pro Gerät ausmachen. So wundert es auch nicht, dass man den mittlerweile von Google für 12,5$ Milliarden übernommenen Handypionier Motorola seit Jahren zu einer Erneuerung der Lizenzvereinbarung zwingen will.

Jetzt hat die Handelsbehörde ITC der US ein Importverbot erlassen, was die Einfuhr von Smartphones und Tablets von Motorola verhindert, sofern Motorola nicht innerhalb einer Frist von 60 Tagen die Funktion für “Besprechungsanfragen und die Terminplanung von Gruppen am mobilen Gerät” entfernt oder lizenziert – eine teure Einbusse für den bislang eh schon nicht erfolgreichen Android-Hersteller und somit Google.

imagesOracle vs Google: Dalvik-VM vs. Java-VM

Auf der anderen Seite darf Google aufatmen: Datenbankhersteller Oracle hatte den Java-Entwickler Sun Microsystems vor 2,5 Jahren übernommen und seitdem die vormals größtenteils frei nutzbaren Technologien und Software ausgenutzt um Druck auf verschiedene Firmen aufzubauen. Wie bei anderen ehemaligen Produkten von Sun ist auch Java mit der Open Source Gemeinde fest verbandelt – ähnlich wie bei Google, wo man beispielsweise Webbrowser Chrome oder auch das auf Linux und Java aufbauende Android für alle zugänglich machen will. Oracle fühlt seine neu erworbenen Besitztümer an der Java-Technologie mit Android verletzt und den durch Google verursachten Schaden am Anfang auf über 6Mrd $ beziffert, musste aber seitdem etliche Abstriche machen. Google hingegen sieht durch die Cross-Compilierung in die eigene Dalvik-VM keine Rechte verletzt, da die Programmiersprache anders als die Implementierung frei ist.

Damit geht der Gerichtsstreit in die dritte Phase über. In ihr soll geklärt werden ob und wie viel Google an Oracle zahlen soll, nachdem bereits die Schadenersatzforderungen von erst 6 Mrd $ auf nur noch eine Milliarde gesenkt werden mussten. Dafür hatte man im ersten Teil zwar erkannt, dass Google bewusst Urheberrechte an den sogenannten APIs von Java verletze. Jedoch kam die Jury hier zu keiner eindeutigen Einschätzung, da hier ein Fair Use vorliegt. Im nun abgeschlossenen 2. Teil ging es darum, ob Google mit seiner Implementation einer Java-Umgebung (Googles Dalvik-VM als Kernstück von Android) die Patente von Oracle verletzt, was Google zu möglichen Lizenzzahlungen gezwungen hätte.

Pascal Heidmann
ist seit 2010 bei Appexam als Autor tätig. Als bekennender Technikfan ist er immer auf der Suche nach neuen Spielzeugen und offen für unabhängige Tests. Auch zu finden auf Google+

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