Konflikt zwischen Samsung und Android-Entwicklergemeinde

andrid-cyanogenSamsung ist dank Android der größte Smartphonehersteller der Welt noch vor Apple und auch das aktuelle Flaggschiff, das Galaxy S3, verkauft sich mehr als prächtig. Bislang war das auch der Garant, dass zumindest die Verkaufsschlager bis hin zum ersten Handy der Galaxy Reihe nach wie vor mit der neusten Android-Version versorgt werden – auch dank der Modder-Community.

Die Koreaner unterstützen das Modden mit Custom ROMs zwar und auch der Erfinder der äußerst beliebten CyanogenMod, Steve Kondik, ist bei Samsung angestellt. Samsung setzt in seinen Smartphones gerne die eigenen Enyxos-Prozessoren-Lösungen ein, die zwar ordentlich schnell sind, jedoch kommt hier Samsungs Unterstützung der Open Source Gemeinde an eine Grenze, die nun eben genau den Support, den Samsung auch in der Hacker-Gemeinde beliebt gemacht hat, in Frage stellt. So stellt der Smartphone-Hersteller zwar meist recht schnell den Quellcode seiner Kernel und der meisten Android-Modifikationen zur Verfügung, doch die Treiber für die CPU und GPU sind mehr als unzureichend dokumentiert.

Bereits vor einiger Zeit hatte sich der deutsche Modder Daniel Hillenbrand alias Codeworkx, der bei der CyanogenMod für die meisten Samsung-Geräte wie eben auch den sehr erfolgreichen Galaxy S2 und S3 sowie der Tablets, negativ über die Hardware-Architektur der Smartphones geäußert, da dank der fehlenden Treiber und Dokumentation die CM-Version stark verbuggt sind und viele Hacks und Blackboxing erfordern. Da dies unnötig viel Zeit in Anspruch nimmt, in der wichtigere Dinge erledigt werden könnten, überlegt Codeworkx nun den Support für die Samsung-Geräte mit dem Enyxos-Chip einzustellen und nur noch für die Modelle mit OMAP-Prozessor der Maintainer zu sein.

Bei der Einschränkung auf OMAP hört es jedoch nicht auf, denn in einem weiteren Blogpost macht er seiner Wut Luft und gibt zu, dass er mit den neuen Sony Smartphones liebäugelt. Auch wenn es bis auf eine bessere Kamera technisch gesehen sich nicht unbedingt mit dem S3 messen kann, so bietet es einen großen Vorteil: verbaut ist ein gut dokumentiert und unterstützter Qualcomm Snapdragon S4.

CyanogenMod LogoAuch wenn es nicht unbedingt die meisten Nutzer betrifft, so fällt auch dem Otto-Normal-Verbraucher auf, wenn die Hersteller mit den Updates nicht hinterher kommen und so die Nutzer teilweise jahrelang mit einer eigentlich schon lange gefixten Sicherheitslücke herumlaufen und viele neuere Apps nicht laufen. Das mag zwar bei einem weniger erfolgreichen Billighandy nicht weiter kritisch sein, weil die Nutzerschar und damit die potentiellen Opfer gering sind und man auf Grund des Preises sich auch dann mal ein neueres Gerät leisten könnte, aber gerade bei Flaggschiffgeräte sollten diese Unterstützung bieten. Dem oder der technisch versierten/m Nutzer mag das Fehlen von offiziellen Updates fehlen, doch greift der meist eh zu einer deutlich leistungsstärkeren Variante von Android wie eben die nicht ohne Grund erfolgreiche Custom ROM CyanogenMod. Doch wenn dort die Updates auch nicht mehr funktionieren, weil die Plattform schlichtweg gesagt scheiße ist, ist auch für diese Gruppe, die allein beim CyanogenMod rund 10 Millionen und damit immerhin 2% der gesamten Android-Geräte ausmacht, nicht mehr unbedingt erfreut über eine Marke, die konsequent sie behindert und mit Füßen tritt.

Disclaimer: ich habe auf allen meinen Android-Geräten (HTC Desire, Samsung Galaxy S2 mit Enyxos-CPU und Nexus 7) die CyanogenMod installiert, da mir die Hersteller-Oberflächen wie Sense und TouchWiz nicht zusagen (wobei Sense immer noch mehr als TouchWiz) und auch das Vanilla-Android direkt von Google nicht alle Funktionen bieten kann, die ich von CyanogenMod gewöhnt bin. Somit kann ich hier nicht komplett objektiv die Situation beurteilen, dennoch kann ich nur jedem Besitzer raten sich die Custom ROMs zumindest mal anzusehen, das installieren ist mittlerweile bei fast jedem einigermaßen gängigen Android-Smartphone nahezu ohne Aufwand möglich und es lohnt sich ohne Frage!

Pascal Heidmann
ist seit 2010 bei Appexam als Autor tätig. Als bekennender Technikfan ist er immer auf der Suche nach neuen Spielzeugen und offen für unabhängige Tests. Auch zu finden auf Google+

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