Neuerungen von Android 4.3: Vieles, aber hauptsächlich “unter der Haube”

Mit dem Nexus 7 (2013) hat Google auch endlich die neue Android Version 4.3 veröffentlicht, die weiterhin auf den Codenamen Jelly Bean hört. Optisch sieht das neue System weitestgehend wie gehabt aus, doch unter der Haube hat sich dafür vieles getan.

Bluetooth 4.0 “Low Energy” (BLE)

Bluetooth ist nach wie vor der Liebling, wenn es darum geht Geräte wie Kopfhörer oder andere Gadgets mit dem Smartphone oder Tablet kabellos zu koppeln. Wirklich gut wird es jedoch mit dem neuen Bluetooth 4.0, das deutlich sparsamer arbeitet und somit ideal für Fitness-Gadgets wie dem UP von Jawbone oder dem Trackinghelfer Tile sind. Durch dieses Bluetooth Smart Profil sind langfristige Koppelungen über mehrere Monate bei vernachlässigbarem Energieverbrauch möglich. Bislang haben die meisten Hersteller wie Samsung, Motorola und HTC bereits Treiber für Bluetooth 4.0 in ihren Geräten eingebaut, doch durch die offizielle Unterstützung in Android 4.3 ist nun die Nutzung für App Entwicklung noch ein mal eine Spur leichter und stellt spätestens jetzt den offiziellen Startschuss für eben Gadgets wie dem UP.

Eingeschränkte Nutzerprofile

Individualisierung durch getrennte Benutzeraccounts

Individualisierung durch getrennte Benutzeraccounts

Bereits in Android 4.2 hat Google Benutzerprofile eingeführt, mit denen ihr bequem mit anderen Nutzern euer Tablet teilen könnt und dabei die Nutzerdaten der einzelnen Apps getrennt sind. Bislang war das ganze leider noch nicht sehr ausgereift, doch mit den eingeschränkten Nutzerprofilen geht man einen weiteren Weg für die gemeinsame Nutzung des Tablets innerhalb der Familie. Gerade für kleine Kinder ist es oft ungeeignet, wenn sie einfach im Web surfen oder aus Versehen ungeheure Rechnungen im Play Store ansammeln können. Mit der erweiterten Administration kann man nun ganz bequem bestimmten Konten Zugriff auf bestimmte Apps entziehen oder deren Nutzung eingrenzen. Dafür stellt Android eine extra API den Entwicklern zur Verfügung, sodass insbesondere Entwickler von Apps für Kinder darauf eingehen können und bestimmte Inhalte wie kostenpflichtige In-App-Bezahlinhalte zu verstecken.

Diese Funktion erlaubt es darüber hinaus auch Apps bestimmte Rechte wie den Zugriff auf Kamera, Bewegungsdaten etc. zu entziehen, auch wenn diese Einstellung bislang noch etwas unübersichtlich ist und nur durch externe Launcher wie dem Nova Launcher gestartet werden können. Bei Einschränkung durch diese versteckte App Ops App kann es außerdem leicht dazu kommen, dass Apps abstürzen oder zumindest ohne erkennbaren Grund nicht funktionieren. Dies dürfte auch ein wichtiger Grund sein, weshalb Google dieses Feature nicht offiziell zugänglich gemacht hat. Die beliebte Custom ROM CyanogenMod hatte bereits in CM7 eine vergleichbare Funktion, mit der man Apps einfach Rechte wieder entziehen konnte.

Flüssigere Darstellung dank Hardwarebeschleunigung

Immer wieder gut ist die noch mal flüssigere Darstellung. Im Vergleich zu Apples iOS wird zwar unter Android 4.3 nach wie vor nicht jegliche Benutzeroberfläche hardwarebeschleunigt auf der GPU berechnet, jedoch hat man das sogenannte Compositing deutlich optimiert. Jetzt werden viele Elemente wie das Zeichnen von Text und Grafiken in einen Schritt logisch zusammengefasst und verursachen so weniger Zeichenvorgänge und Kontextwechsel der GPU. Hierbei werden Teile des 2D-Renderings auch automatisch in mehrere Threads aufgeteilt und parallelisiert, sodass die einzelnen Prozessorkerne besser ausgelastet werden. Die Hardwarebeschleunigung wird übrigens über die OpenGL ES Schnittstelle realisiert.

Mehr Leistung bei 3D Animationen

Mit Android 4.3 führt Google auch die neuste Version von OpenGL ES 3 ein, welches auf OpenGL 3 und 4 basiert. Ähnlich wie Microsofts Direct X 11 können Entwickler nun Berechnungen für sogenannte Tesselation und weiterer aufwendiger Grafikberechnungen auf die Grafikkarte auslagern und so die Grafikqualität bei minimaler Zusatzbelastung deutlich verbessern. Android 4.3 stellt außerdem das erste System dar, welches die neue Version von OpenGL ES 3 unterstützt. Diese Unterstützung dürfte in der Zukunft vor allem für grafiklastige Spiele sehr interessant sein, die damit auf ein ähnliches Niveau wie aktuelle PC und kommende Konsolenspiele auf PS4 und Xbox One erreichen.

android43performanceNeue Entwicklertools

Entwickler bekommen neue Tools an die Hand, mit denen sie noch besser erkennen können, wenn im Interface bestimmte Aktionen einen Lagg verursachen oder die Performance schlecht beeinflussen. So können die einzelnen Anzeigen des Interfaces (dieses wird unter Anderem aus Hauptanzeige, Navigationsleiste und Statusleiste zusammengesetzt) mit einem Overlay versehen werden, welches die jeweilige Framerate in Echtzeit anzeigt. Darüber hinaus kann man nun auch unkompliziert in die Dalvik VM hineinschauen und so weitere Performancelecks aufspüren.

Neue DRM-APIs

Für Content-Anbieter wie Streamingdiensten von Video-On-Demand wie Watchever oder dem in den USA sehr beliebten Netflix sind bislang Tablets zwar ein attraktives Ziel, welches jedoch auf Grund der fehlenden Sicherheit durch DRM-Systeme häufig sehr schlecht versorgt wird und beispielsweise bei root-Zugriff häufig benutzerunfreundlichst den Zugriff einfach verweigert. Mit Android 4.3 führt Google entsprechende APIs ein, die eine einfache Verschlüsselung der Mediendateien ermöglicht und so für die gewünschte Pseudosicherheit sorgt. Damit dürfte hoffentlich die Gängelung von Root-Nutzern bei Watchever bald zu Ende sein und auch HD-Material einfacher auf dem Tablet zu sehen sein. Darüber hinaus hat Google den offenen VP9 Codec auch nativ in Android 4.3 implementiert, der rund doppelt so sparsam wie der h.264 Codec der MPEG-LA ist.

Hier dürfte auch die Implementation von Miracast sehr praktisch sein, mit der ihr nun ganz unkompliziert den Bildschirm kabellos auf ein miracastfähiges Gerät (jeder neuere Smart TV, alternativ mit günstigen Dongle) spiegeln könnt.
SELinux_Decision_Process

SELinux und weitere Sicherheitsfeatures

SELinux ist eine Erweiterung des Linuxkernels, der von der NSA vor über einem Jahrzehnt entwickelt wurde und für Security-Enhanced Linux steht. Diese ist mit Android 4.3 offizieller Bestandteil des Androidkernels und erlaubt deutlich bessere Kontrolle über einzelne Prozesse und deren Zugriffe auf Funktionen des Betriebssystems. Damit werden Angriffe auf System und Funktionen deutlich schwieriger, weil diese je nach Einstellung der Kernelerweiterung geblockt oder zumindest protokolliert werden. Dafür werden entsprechende Zugriffsregeln festgelegt. Auch die beliebte CyanogenMod plante unabhängig davon die Einführung von SELinux, und bereits jetzt ist SELinux Bestandteil verschiedener offizieller Hersteller-ROMs wie beim Samsung Galaxy S4. Wer jetzt hinsichtlich von PRISM und anderer Spionageprogramme der NSA der Erweiterung SELinux nicht traut, dem sei gesagt, dass der Quellcode entsprechend des Alters und auch wegen der Herkunft ausgiebig auf mögliche Backdoors überprüft wurde. Die NSA selber setzt bei großen Teilen ihrer Infrastruktur auf Linux, weswegen auch für die NSA eine Backdoor ungünstig wäre, davon abgesehen wird die Erweiterung von Red Hat verwaltet.

Neben SELinux gibt es Schnittstellen für die hardwaregeschützte Sicherung von Passwörtern, die auch bei kompromitierte Kernel oder Rootzugriff nicht einfach ausgelesen werden können. Dies ist insbesondere im Firmenbereich wichtig, wo solche Informationen bei einem verloren gegangen Gerät teure Neuanschaffung und Umstellungen der Infrastruktur bedeuten können.

Update auf Android 4.3

Das Update wird laut Google für die Nexus-Geräte (Nexus 4, 7 und 10 sowie Galaxy Nexus) sowie HTC One und Samsung Galaxy S4 in der Google Edition aktuell per Over The Air (OTA) Update ausgerollt. Alternativ stehen bereits Factory Images sowie der Quellcode bereit, sodass zumindest die Nutzer von sogenannter Custom ROMs wie die beliebte CyanogenMod schon in den nächsten Tagen mit einem Update anderer beliebter Geräte beglückt werden.

Pascal
ist seit 2010 bei Appexam als Autor tätig. Als bekennender Technikfan ist er immer auf der Suche nach neuen Spielzeugen und offen für unabhängige Tests. Auch zu finden auf Google+

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