Wieso gibt es keine SD-Karten bei den Google Nexus Modellen?

Die Nexus-Modelle von Google sind dafür bekannt, die neuste Technik zu verwenden - aber auch konsequent auf den sonst üblichen SD-Kartenslot zu verzichten. Gleiches macht auch Apple bei iPad und iPhone schon von Anfang an. Doch wieso machen die Hersteller das?

nexus-overviewGerade bei Apple ist das vermutlich Teil der Geschäftsidee, denn wer nicht erweitern kann, der ist entweder schnell mit vollem Speicher unterwegs oder greift schon mal in weiser Voraussicht auf die Version mit größeren Speicher, für die je nach Hersteller zwischen 50 und 100€ je Stufe fällig werden. Auch wenn Google und Asus das nicht direkt zugeben, so ist beim Nexus 7 diese Taktik vermutlich auch zur Querfinanzierung der günstigeren Variante mit 8 GB bei der Einführung und jetzt immerhin 16 GB durch die 50€ teurere, denn beim Tablet für 199$/€ macht Google laut eigener Aussage keinen Gewinn sondern verkauft zum Herstellungspreis.

Doch neben der finanziellen Bequemlichkeit dem Kunden für etwas mehr Speicher deutlich mehr Geld abzunehmen gibt es natürlich auch noch rein praktische Gründe, die für mehr internen Speicher und den Verzicht auf externen Speicher sprechen.

Einen hat Matias Duarte, seines Zeichens im Android User Experience Team von Google, letztens auf Google+ im Rahmen einer offenen Fragerunde geliefert:

If you’re saving photos, videos or music, where does it go? Is it on your phone? Or on your card? Should there be a setting? Prompt everytime? What happens to the experience when you swap out the card? It’s just too complicated.
Matias Duarte

Er gibt hier also an, dass es sich aus Googles Sicht hauptsächlich um eine Sache der User Experience handelt, denn die Entscheidung, ob Fotos, Videos und Musik nun intern oder extern auf der SD-Karte können entweder im Hintergrund dem Nutzer durch automatische Steuerung intransparent abgenommen werden oder aber man müsste den Nutzer jedes Mal die Entscheidung überlassen. Stellt euch mal vor, ihr schießt ein Foto und müsst erst mal sagen wo es denn gespeichert werden soll bevor es weiter gehen darf - nicht sehr intuitiv oder? Das macht natürlich kein Hersteller mit und deswegen wird normalerweise standardmäßig auf die SD-Karte gespeichert. Wenn diese dann aus dem Handy entfernt wird, fehlen natürlich die ganze Daten darauf, was bei Medien meist nicht so schlimm ist. Sofern man aber die SD-Karte auch zum Speichern von Apps verwendet, leidet die Usability schnell: wie will man dem Nutzer erklären, dass seine App, die vielleicht (in Teilen) automatisch auf der SD-Karte gespeichert ist, nicht funktioniert, weil eben die SD-Karte und damit die Programmdateien fehlen?

Micro_SD_card_pinningNeben diesen für den primär für den Nutzer relevanten Argumenten existieren aber noch weitere weit technischere Gründe, weshalb interner Speicher einer SD-Karte vorgezogen werden sollte.

Die SD-Karten setzen fast alle immer das FAT32-Dateisystem ein, um kompatibel zu Windows-Rechnern zu sein (Microsoft hat FAT32 entwickelt und die Patente auch schon gegen Navigationshersteller TomTom eingesetzt). FAT32 ist jedoch schon etwas betagt und ist nicht für mehrere Nutzer ausgelegt. Daher kann man innerhalb von diesem Dateisystem auch nicht einzelnen Nutzern unterschiedliche Zugriffsrichtlinien unterwerfen wie es bei modernen Betriebssystemen benötigt wird. Gerade hinsichtlich der neuen Multi-User-Funktion unter Android 4.2 ist das natürlich ungünstig.

Dadurch, dass beim internen Speicher dieser komplett vom Betriebssystem verwaltet wird, ergeben sich überdies einige Vorteile: mittels des MTP bzw. dem älteren PTP-Protokolls kann man auf den internen (SD-Karten-) Speicher vom Computer aus zugreifen ohne beim Abkoppeln einen möglichen Datenverlust zu erleiden, da die Datenübertragung sequentiell abläuft und fehlgeschlagene Übertragungen einfach verworfen werden.

Weil man intern nun mit dem unter Linux üblichen ext ein einheitliches Dateisystem verwendet, hat man deutlich niedrigere Zugriffszeiten und schlankeres Handling der unterschiedlichen Mounts. Außerdem ist ext anders als das ältere FAT ein Journaling-Dateisystem, was heißt, dass es kann schnell auf Fehler überprüft werden und bei Bedarf wieder hergestellt werden.

Fazit

Die Hersteller haben mehr als nur finanzielle Interessen daran, dass ihre Smartphones vermehrt auf den internen Speicher und weniger auf zusätzlichen Speicher per auswechselbarer SD-Karte setzen. Man zahlt zwar für den gleichen Speicher ein wenig mehr, aber bekommt dafür auch ein deutlich sichereres Gerät, das auch in den meisten Fällen schneller auf die Daten zugreifen kann. Daher solltet ihr meist lieber ein wenig mehr Speicher als zu wenig nehmen, man kann ja schließlich nicht nachträglich das mehr erweitern.

Pascal
ist seit 2010 bei Appexam als Autor tätig. Als bekennender Technikfan ist er immer auf der Suche nach neuen Spielzeugen und offen für unabhängige Tests. Auch zu finden auf Google+

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